Montag, 5. Juli 2010

Ermittler wollen dem "Rosenmädchen" seinen richtigen Namen zurückgeben / Öffentlichkeitsfahndung

Pressemitteilung der Polizei und Staatsanwaltschaft Köln: 14 Jahre nach dem Mord an einer jungen Frau im niederländischen Lottum hat die Polizei am Dienstag (29. Juni) den 56 Jahre alten arbeitslosen Erich Kurt Lange in seiner Wohnung im Kölner Stadtteil Mülheim festgenommen. Lange ist nach einem inzwischen vorliegenden DNA-Befund dringend verdächtig, die bis heute nicht identifizierte Frau nach massiver Gewaltanwendung sexuell misshandelt und dann getötet zu haben. Er bestreitet die Tat. Die deutsche Justiz hat den Fall von den niederländischen Strafverfolgungsbehörden übernommen. Lange wird sich demnach in Köln vor Gericht verantworten müssen. Der bereits wegen Sexualdelikten in Deutschland vorbestrafte Lange sitzt seit Dienstagnachmittag (29. Juni) wegen des Verdachts des Mordes in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Köln, die Mordkommission ROZEN sowie die niederländischen Kriminalisten setzen nun alles daran, dem als "Rosenmädchen" bekannt gewordenen Opfer seinen richtigen Namen zurück zu geben. Große Hoffnungen setzen die Ermittler nach der Festnahme des Beschuldigten Lange auf die erneute Öffentlichkeitsfahndung und die Mithilfe der Bevölkerung in Deutschland sowie in den Niederlanden. Auf Ersuchen der niederländischen Polizei war der Fall bereits am 23.08.1996 wegen der Nähe des Leichenfundortes zur deutschen Grenze auch in der deutschen Fahndungssendung "Aktenzeichen XY" ausgestrahlt worden. Hinweise nach der Sendung hatten allerdings nicht auf die Spur des Täters geführt. Nun veröffentlicht die MK Rozen die Fotos der Getöteten, des jetzt Festgenommenen aus den Jahren 1999 und 2010 sowie Bilder auffälliger Schmuckstücke und fragt unter anderem: Wer kennt die etwa 160 cm große, schlanke Frau? Sie war 1996 etwa 18-25 Jahre alt und trug ihr dunkel gefärbtes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden. Auffällig sind Operationsnarben an ihrer Stirn, dem linken Unterschenkel sowie an beiden Hüften, die darauf hindeuten, dass sie Anfang der 90er Jahre einen schweren Unfall gehabt hatte. Metallstifte zur Fixierung der Oberschenkelbrüche waren nach Aussage der Rechtsmediziner circa zwei Jahre vor ihrem Tod operativ entfernt worden. Bei Auffindung war sie mit einem grau-gemusterten Pullover mit Holzperlen, einer Jeans der Marke "ANVIL" einem braunen Ledergürtel mit Prägemuster und einem BH der Marke "KOSTAR" bekleidet. Wer hat die junge Frau vor der Tat (01.- 04. Juni 1996) in Begleitung des Beschuldigten Lange gesehen? Wer kann Angaben zu den damaligen Lebensgewohnheiten und Reisebewegungen des Beschuldigten Lange in die Niederlande machen? Wer kennt die abgebildeten Ringe? Es handelt sich um Schmuckstücke aus dem Besitz der Getöteten. Der erste Ring besteht aus 14 Karat Gelbgold mit einem synthetischen Rubin und einem kleinen Zirkonia. Bei dem zweiten Ring handelt es sich um einen Ehering ohne Gravur aus 8 Karat Gelbgold mit geriffelter Oberfläche. Von dem Ring wissen die Ermittler, dass er in Pforzheim hergestellt und in Deutschland zwischen 1986 und 1996 in nur 17 Geschäften verkauft wurde.

Hinweise nimmt die Mordkommission Rozen unter Tel: 0221 / 229-0 entgegen.

Historie des Mordfalls: Am 04.06.1996 fanden zwei Gemeindearbeiter die Tote in einem Waldgebiet bei Horsterdijk in Lottum. Nach forensischen Untersuchungen in den Niederlanden war von einem Sexualmord am Fundort auszugehen. Alle Ermittlungen führten allerdings nicht auf die Spur des Täters. Auch 11 Jahre nach der Tat war der Fall für die niederländische Kriminalisten nicht endgültig abgelegt. Sie nahmen den "Cold-Case-Fall" erneut auf, um sich zu vergewissern, bei der Suche nach dem Mörder der immer noch Unbekannten nichts übersehen zu haben. 2009 verhalf die Wissenschaft den Ermittlern zum Durchbruch. Mitarbeiter am Niederländischen Forensischen Institut in Den Haag fanden an den 1996 gesicherten Spuren tatrelevante DNA eines unbekannten Mannes. Eine vergleichende Untersuchung des DNA-Musters beim Bundeskriminalamt führte letztlich zum Täter und zur Übernahme des Strafverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Köln.

  

  

Text- und Bildquelle: POLIZEI VIERSEN / KÖLN

Keine Kommentare: